2025 KW 36
The day Return became Enter – Aresluna
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Besucht: 02.09.2025
Wer sich außer mir schon immer gefragt hat, wieso es unterschiedliche Umbrüche unter Linux, Mac und Windows gibt (carriage return/line feed unter Windows, line feed unter Unix, Mac macht… keine Ahnung was) findet hier einen Teil der Erklärung:
Die Enter-Taste ist eigentlich eine Amalgamation zweier Funktionen auf der Schreibmaschine - einerseits wird eine neue Zeile angefügt (line feed), andererseits wird der Cursor ganz am Anfang der Zeile positioniert (carriage return).
Als aus Schreibmaschinen dann Fernmelder wurden, musste jede Taste mit einer Zahl codiert werden, also bekam carriage return einen Zahlencode und line feed auch.
Später, als Texte dann auf Disketten gespeichert wurden, hatte man sich bei Unix mal überlegt, ob diese Kombination (cr + lf) für ein Zeilenende noch Sinn ergibt, und hat dann entschieden, die zwei Zeichen durch ein einziges zu ersetzen (lf). Windows blieb bei der Tradition und speichert in einer Textdatei weiterhin zwei Zeichen für den Zeilenumbruch.
Am Ende geht es noch um die leider etwas unterschiedlichen Modi, die heutzutage die Enter-Taste betreffen - manchmal sendet sie etwas direkt ab, manchmal fügt sie einen Zeilenumbruch ein, manchmal wird ein neuer Absatz eingeleitet.
Witzigerweise habe ich erst letzte Woche mit genau diesem Problem gekämpft: Die Beleglayoutsoftware für unser ERP System stellt Return-Zeichen als einfachen Zeilenumbruch (<br/>) in der Vorschau dar, rendert aber am Ende neue Absätze (</p>). Dadurch rutschte ein Text zu unseren Anlieferzeiten hinter einen anderen Text, der die Öffnungszeiten für den Freitag verdeckte. Was wiederum dazu geführt hat, dass wir Freitags teilweise keine Ware erhalten haben.
Der Bug bestand seit 2014 und war letzte Woche in 10 Minuten gelöst…
What Is the Fourier Transform? | Quanta Magazine
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Besucht: 05.09.2025
Nettes Intro zur Fouriertransformation - einer ziemlich wichtigen Operation um arbiträre Funktionen in ihre Frequenzkomponenten zu zerlegen. Das funktioniert quasi immer, also, zumindest solange die Funktion differenzierbar ist - was praktischerweise für quasi alle analogen Signale (wie z.B. Musikaufnahmen) gilt.
Eine Implikation dieser Tatsache, über die ich noch nie so nachgedacht habe, gibt die Autorin hiermit an:
“It’s known that if you have a whole lot of tuning forks, and you set them perfectly, they can produce Beethoven’s Ninth Symphony.”
Das würde ich echt gerne sehen/hören.
Was erstmal aussieht, als könnte man das nur auf Töne anwenden, funktioniert witzigerweise auch bei Bildern: Hier gibt es ein ziemlich gutes Video von 3Blue1Brown zu der Fourieranalyse, und hier kann man selbst einen Vektorzug malen und fouriertransformieren lassen.
How To Amsterdam by Door 74
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Besucht: 05.09.2025
Wir waren in einem Cocktail-Speakeasy Door 74 in Amsterdam trinken - war ganz okay, muss man sagen, schöne Eiswürfel, fähiges Barpersonal, aber eigentlich ziemlich unspektakuläre Cocktails. Trotzdem kam dabei noch eine Karte von vielen verschiedenen Tipps in Amsterdam bei rum, die man sich zumindest mal ansehen kann, wenn man in diese Stadt reist. Vieles, was ich selbst recherchiert hatte, ist auf der Karte auch zu finden. Cocktailmäßig waren Law & Order und Tales and Spirits das letzte Mal unsere Favoriten.
A Navajo weaving of an integrated circuit: the 555 timer
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Besucht: 07.09.2025
Wahrscheinlich ist der NE555 eines der am häufigsten verwendeten Bauteile der Welt (bevor man angefangen hat, alles durch programmierbare Mikrocontroller zu ersetzen). Der mäßig gute Film Flash of Genius befasst sich mit Geschichte der Erfindung des Timers, der als Taktungsschaltung für Scheibenwischer erfunden wurde.
Hier hat jemand aus dem Schliffbild einer NE555 Implementierung einen Teppich gewebt.
Money and other Fairy Tales
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Besucht: 07.09.2025
Längeres fiktionales Essay über Geld, Bitcoin, Romance Scams, die Lazarus-Gruppe und Finanzmärkte.
Her neighbor, Mr. Yamamoto, went further. He mortgaged his apartment to buy stocks. Then mortgaged the stocks to buy a golf membership. Then leveraged the golf membership to buy more apartments. It was financial origami, paper folded into paper folded into paper, each fold creating “value” from nothing.
Irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass man in Venezuela Geld schnell in Backsteine umsetzt, um es vor der Hyperinflation zu bewahren. Backsteine braucht man immer.
Und sonst so?
In Amsterdam gewesen, einfach eine sehr schöne Stadt, wenn auch etwas voll - upsi, wir sind Teil des Problems. Nächstes Mal dann nach Rotterdamm oder Utrecht, das soll auch schön sein. Aber: Lag halt auf dem Weg. Und: Wir hatten die Gelegenheit, den Club RAUM zu besuchen, wenn auch nicht in voller Ausbaustufe - leider hatte nur ein Saal geöffnet. Was wir gesehen und gehört haben, hat aber definitiv überzeugt - nur die Beleuchtung in der Lobby war etwas hakelig, aber ansonsten sehr geschmackvoll. Sympathische Crowd, viel Nebel, reduziertes Licht, was vom LJ aber grandios bespielt wurde und natürlich extrem guter Sound. Ansonsten auch den Botanischen Garten besucht, Bagel, Ramen und koreanisches Streetfood genossen, spontan einer Party im Toekomstmuziek beigewohnt, insgesamt ein rundes Wochenende.
Heike Geißlers Verzweiflungen sind schwere Kost, aber auch teilweise ganz witzig. Finde mich in einigen ihrer Verzweiflungen wieder, andere sind mir eher fremd, aber ich bin auch noch nicht in ihrem Alter und auch keine Frau. Damit empathisieren kann ich aber, daher fällt mir das Lesen teilweise etwas schwer.
Und ich weiß das nicht: Wie viele meiner Handlungen waren ursprünglich Kopfgeburten von Räubern, Geschäftemachern, Profitmagiern? Von Erfindungsapparturen, die haufenweise geschäftstüchtige Version von Liebe, Glück, Gesundheit, Zeit und ihrer Verwendung in mich geworfen hatten?
Soundtrack der Woche: Client_03 x Shinra - Decomission Me. Das hatte ich Freitags zuerst in einem Plattenladen shazamed und war dann komplett aus der Bahn geworfen, als ich es einen Tag später in Siu Mata x Amor Satyrs Set im RAUM zu hören. Witziger Zufall.