2025 KW 51
Listers - A glimpse into extreme birdwatching
[Link]
Hier ein Dokutipp für die langsamen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr. Als Inhaltsangabe wahrscheinlich am ehesten David Attenborough, wenn er einer von den Trailer Park Boys gewesen wäre?
JustHTML is a fascinating example of vibe engineering in action
[Link]
Simon Willison über eine Python Library, die komplett gevibed wurde. Der Originalblogbeitrag ist ebenfalls interessant zu lesen.
Kazantip
Ich bin in ein Kazantip Internetloch gefallen.
Das kam alles daher, dass ich irgendwo was über Seeblockaden gelesen habe, und wie sogenannte Blockships verwendet werden, um Zufahrten zu Flüssen oder Häfen zu blockieren. Die Russen haben bei der Annexion der Krim die Mündung eines Flusses blockiert, indem sie dort eine Fregatte versenkt haben. So konnten sie die ukrainische Flotte am Auslaufen behindern.
Als ich die Stelle im Fluß auf Google Maps angeschaut habe, um zu schauen, ob man dort noch was von dem Wrack sieht, habe ich im Umkreis die Bewertungen angesehen. Ich fand es ziemlich spannend - das sind alles geschichtsträchtige Orte, zu denen Menschen global Meinungen haben. Die Bewertungen der Krim-Brücke sind zum beispiel sehr spannend. Man sieht ein erstarkendes russisches Nationalbewusstsein um 2016 rum.
An dem Strand der Flußmündung fand ich ein verlassenes Kraftwerk1. Die Rezensionen waren für mich kryptisch “Hier fanden früher coole Z-Raves statt”. Was ist ein Z-Rave? Das Z ist ja mittlerweile das Hakenkreuz der Russen, aber der Eintrag war vor der full-scale Invasion der Ukraine - um was geht es hier? Es stellt sich raus, lange vor dem Überfall auf die Ukraine hatte das Kazantip-Festival sich das Z auf die Fahnen geschrieben. Mir war das noch ein vager Begriff, ich glaube, Frauke Ludowig hat mal bei Explosiv auf RTL darüber berichtet, über Exzesse in der Ukraine und irgendwelche Typen, die sich da einen Bungalo mieten um eine Woche Party zu machen.
Irgendwie so habe ich dann angefangen, der russischen/ukrainischen/ex-sowjet Techno-Subkultur nachzugooglen. Ich bin ja jetzt nicht so der riesen Techno-Head, aber ich fühle diese Musik und kann in ihr schon eine Kunstform erkennen, die die Sprache transzendiert und viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen auf eine ähnliche Art und Weise berührt. Ich stand ja mal in so einem Technoclub, Pisces, in der Parallelstraße von Marthin Luther Kings Geburtshaus in Atalanta, um mich rum nur Menschen, die sich in Hautfarbe und Kultur von mir maximal unterscheiden, aber hatte trotzdem das Gefühl, hier ein verbindendes Element zu haben, eine gemeinsame Erfahrung, ein gemeinsamer Satz an Werten und Geschmack?
Naja, und so ist das wahrscheinlich auch in diesem Fall. Der eiserne Vorhang hatte uns über Generationen getrennt, und trotzdem hatte die Jugend Bock auf Bass, Strobos und Hedonismus.
Im Zuge der Recherche habe ich dieses Magazin gefunden, Pitch, oder auch Птюч in kyrillischen Buchstaben. Das wurde dankenswerterweise von archive.org archiviert. Falls man noch niemandem an Weihnachten gespendet hat - archive.org ist eine gute Adresse.
Klickt mal in dem Magazin rum, ich habe per ChatGPT einige Seiten übersetzen lassen und es liest sich einfach so geil. Eine Fanfic, über jemanden, der mit Madonna geschlafen haben will. Ein Psychotest, wie sehr man Satanist ist. Herrlich. Die ganze Ästhetik auch.
Eine anderer interessanter Nebeneffekt des globalen Internets ist, dass man den Kampf über die Deutungshoheit der Geschichte in den Revisionsseiten Wikipedias nachverfolgen kann. Über den ersten Satz im Artikel, ob die Krim jetzt Teil der Ukraine oder Teil der Ex-UDSSR oder eben Russlands ist, wurde viel gestritten in der russischen Wikipedia. Ein Wikipedianer mahnt auch einen anderen zur Vorsicht, wenn dieser schreibt, dass die Krim vor 2014 zweifelsohne Teil der Ukraine ist. Das ist alles sehr bizarr zu lesen.
Am Ende war der Ausweg wohl, as Festival als ganzes zu diffamieren und es als Drogenumschlagsplatz und einen Ort der Verwahrlosung darzustellen.
Ich habe auch einen weiteren Artikel gefunden - es kam beim Kazantip zu einem Todesfall, eine Festivalteilnehmerin musste unter Drogeneinfluss in ein Krankenhaus eingeliefert werden, wo sie es trotz der Obhut der Polizei schaffte, aus dem Fenster zu springen. In Verbindung mit den zahllosen Fensterstürzen der jüngeren Geschichte gibt einem das ein sehr ungutes Gefühl…
In Lärz dieses jahr beschlich mich ein ähnliche Gefühl. Ich sah diesen Ort, ich sah seine Geschichte, ich sah alle diese Freaks und Punks und Furries und LGBTQA Menschen und Raver in Tanktops und Technostyleleader und Antifaschisten und Vollzeithedonisten und Normalos mit Glitzer im Gesicht und und und … und dachte mir - wie schön, dass wir alle zusammen einen Ort haben, an dem der Ausdruck dieser Facetten des menschlichen Daseins möglich ist, wenigestens einmal im Jahr, wenigstens drei Tage lang, bevor wir wieder in unser kleines Kästchen zurückmüssen, bevor wir wieder weiterarbeiten müssen in dem Moloch, den wir uns als Zivilsation gebaut haben, denn der Weizen verlangt es von uns…
Das darf uns nicht genommen werden. Das wurde alles hart erkämpft und das steht alles auf dem Spiel, wenn wir auf Populisten reinfallen, die uns die Welt leicht erklären möchten.
This life gives you nothing
Maybe there was a tiny bit of dish soap left at the bottom of the bottle, and I considered diluting it with water to get it out more easily, and make the bottle last longer. I wouldn’t simply think that. Thanks to Twitter, I’d think something exponentially more inane and annoying, such as, “The masculine urge to water down the dish soap…” or “The two genders [picture of brand-new dish soap vs. picture of old diluted dish soap]…” or “Choose your fighter [same two pictures again]…” or “Wake up babe, new diluted dish soap just dropped,” or “Men will dilute the last millimeter of dish soap rather than go to therapy…” or “No but the way I just diluted the dish soap…”
Ein langes Essay über die Auswirkungen der Aufmerksamkeitsökonomie und wie man ihr entrinnen kann.
ich fand diesen Teil besonders schön:
It felt good to sit there and let thoughts blossom slowly, and instead of taking a picture of the redwoods, the way I’d normally do, I wrote down what I saw as I looked at them: the drops of water clustered in the boughs, the particles that drifted past in dense enough concentration that they counted as “fog” but were also perceptible as individual instances of moisture. Grains of sand, and also the beach, at once.
Am Ende haut das in die selbe Kerbe wie hier schon viel verlinktes, aber man kann es ja trotzdem mal lesen.
Ich versuche auch mehr zu schreiben, bzw. ich schriebe jetzt schon viel mehr als am Ende des Jahres 2024. Ich merke, auch, wie mein Schreiben durch die Bücher beeinflusst wird, die ich lese - mal mändern sie mehr, wie bei Knausgaard, mal versuche ich mehr zu beobachten, wie bei Geißler, nur schöne Sätze wollen mir noch nicht so richtig gelingen.
Backing up Spotify - Anna’s Blog
[Link]
Besucht: 21.12.2025
Annas Archive beschde. Hier haben sie das geschafft, wovon jeder Musiknerd träumt - komplett spotify zu äh… backuppen.
Why do people leave comments on OpenBenches? – Terence Eden’s Blog
[Link]
Besucht: 21.12.2025
Cool, es gibt ne Website, auf der gestiftete Bänke verzeichnet sind! Schöne Sache, das!
Und sonst so?
- Weihnachten, ey!
- Aktuell Beslik auf Repeat mit Lieder, die ich geschrieben habe anstatt aus dem Fenster zu springen. Anspieltipp: BDEB
Kann ich an der Stelle auch mal festhalten, wie verdammt geil das ist, dass ich mir an meinem Rechner Satellitenbilder von fremden Stränden ansehen kann, und mir dazu noch Bilder und Mitteilungen mir vollkommen fremder Menschen dazu reinziehen kann? ↩︎