Fraktal Komplex

09 Mar 2026

In eigener Sache - also wie immer

Ich habe jetzt mehrere Wochen keinen Eintrag verfasst - und das obwohl der Blog seinen ersten Geburtstag hätte feiern können!

Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Der Niedergang des Internets

Ich merke, dass mich das Internet nicht mehr bockt, oder zumindest viel weniger bockt. Reddits Frontpage ist qualitätsmäßig so schwer gesunken, dass ich die Seite quasi nur noch aus Muskelgedächtnis öffne, kurz angewidert schaue und dann wieder schließe.
Hackernews ist voll von KI-news über KI-news, ich merke immer wieder, wie ich über die hier schön beschriebenen Muster stolpere und reflexhaft Artikel in der Mitte unterbreche, weil ich mal wieder feststellen muss, dass jemand hier eh nur die algorithmisch wahrscheinlichste Linearkombination bereits vorher gedachter Gedanken ins Netz gepumpt hat - und das ist das Gegenteil von interessant.
Kleine Blogs, ja, es gibt sie, aber auch hier ist die Verzweiflung spürbar.

Das Ende des Endes der Geschichte

Im MBA Jargon würde man sagen: Die Weltlage dynamisiert sich mit wachsender Geschwindigkeit.
Alle anderen sagen eher: shit’s fucked, oder so.
Ich merke jedenfalls, wie ich nicht mehr mitkommen möchte. Während ich am Anfang des Ukrainekrieges quasi non-stop in den Nachrichtenzyklus eingebunden war, merke ich, wie ich mich davon zunehmend zurückziehe. Ich möchte nicht mehr. Ich kann irgendwie auch nicht mehr. Der eigene Einfluss auf die dröhnende Kriegsmaschinerie ist nicht fühlbar. Ich weiß nicht, was ich tun kann. Ich lese einmal wöchentlich Nachrichten, versuche aufzuholen, was in der vergangenen Woche schon wieder alles kaputtgegangen ist, und kämpfe dabei gegen eine sich in mir breitmachende Verzweiflung an.

Quo vadis?

Ich habe mal angefangen, eine Begründung für diesen Blog zu schreiben. Wieso eigentlich bloggen? Naja, weil man das Internet ja nicht den ganzen anderen Wichsern überlassen kann, die dieses unwahrscheinliche Wunder als weaponized content delivery Schmieröl für Konsumvergötterung und Polarisierung missbrauchen. Und auch weil ich meinen Medienkonsum kritisch öffentlich dokumentieren und hinterfragen möchte. Und weil man ja hin und wieder auch was augenöffnendes oder lustiges oder neugierweckendes findet. Ich kann in dem Blog auch schnell was nachschlagen, wenn ich weiß, dass ich es hier verlinkt habe. Und ich kann in Konversationen beiläufig sagen: “Ah ja, das hatte ich auch gebloggt”.
Ich glaube, diese Gründe stehen alle noch. Ich sollte damit weitermachen, auch wenn es niemand liest.

Eine Sache wurmt mich mittlerweile aber doch. Eigentlich möchte ich keine weiteren Daten an die sich anbahnende LLM Unterdrückungsmaschinerie liefern. Der MJ Rathbun Vorfall stimmt mich nachdenklich und milde paranoid. Ich sollte das also besser sein lassen, noch dazu mit Klarnamen. Auf der anderen Seite sehe ich gerade die pseudonyme, anonyme Meinungsäußerung oder die nur in kleinen, privaten Dark-Social Kanälen stattfindende Diskussion des Weltgeschehens und die damit teilweise einhergehende Dehumanisierung, Verrohung und Polarisierung des öffentlichen Diskurses als eine große Gefahr für die Demokratie.
Also wohl weiter so? Wir werden sehen.

Und sonst so?


  1. Hier sollte wie in einer Arzneimittelwerbung ein Disclaimer stehen. ↩︎